Tabor

Tábor liegt am Fluss Lužnice in Südböhmen, rund 50 km nördlich von České Budějovice und 75 km südlich von Prag entfernt. Mit rund 34.000 Einwohnern ist es nach Budweis die zweitgrößte Stadt der Region. Der historische Stadtkern von Tábor mit den schmalen verwinkelten Straßen im gotischen Stil steht unter Denkmalschutz. Die Stadt ist ein beliebtes und wichtiges regionales Tourismuszentrum.

Geschichte von Tábor

Tábor hat eine bewegte Vergangenheit, die mit den religiösen Hussitenkriegen des 15. Jahrhunderts eng verbunden ist. Die Stadt wurde 1420 von dem tschechischen Reformator Jan Hus als Bastion gegründet. In den folgenden Jahren blühte die Siedlung als Bauernkommune auf. Benannt wurde die Stadt nach dem biblischen Berg Tabor in Galiläa. An die Gründungszeit erinnern heute in Tábor die Straßennamen, Denkmäler und das Hussitenmuseum, das im Rathaus untergebracht ist.

Im 16. Jahrhundert war Tábor eine wohlhabende Handels- und Handwerkerstadt. Sie lag damals auf dem wichtigen Handelsweg von Linz nach Prag. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt zum Teil durch Brand zerstört. Die Bewohner mussten die Stadt verlassen oder wurden zum römisch-katholischen Glauben zurückgeführt. Damals entstand eine Wallfahrtskirche Klokot in der Nähe von Tábor in Klokot, dem heutigem Stadtteil Tábors.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in der Zeit der sozialistischen Regierung Tschechiens, verlor die bisher vermögende Stadt ihren Glanz und mehrere Bauwerke begannen zu verfallen. Dennoch bewahrte Tábor bis heute zahlreiche historische Denkmäler. Im Stadtzentrum befindet sich der Žižka-Platz, nach dem Heerführer der Hussiten Jan Žižka von Trocnov benannt. Zum Platz führen nur sehr enge Gassen, was den Zugang  zu ihm in den Kriegszeiten erschwerte. Unter den Häusern und Straßen gibt es ein Labyrinth von Tunneln.  Ein rund 500 m langer Abschnitt des Tunnelsystems blieb bis heute für die Öffentlichkeit zugänglich. In der Mitte des Platzes steht die Statue von Jan Žižka. Sehenswert am Platz ist auch der Brunnen. 1567-1568 erbaut, diente er der städtischen Wasserversorgung. Inmitten des Beckens symbolisiert die Plastik eines Ritters die Marktrechte der Stadt. Die Einheimischen nennen den Ritter Koudela oder Koudelka. Koudela  war vermutlich einer der Hussitenhauptleute.  In der Hand hat der Ritter eine Fahne. Das symbolosierte die Abhaltung von Markt.

Sehenswertes in Tábor

Hussitenmuseum und unterirdisches Labyrinth

Bei einer Reise nach Tábor steht die Besichtigung des Hussitenmuseums ganz oben auf der Prioritätsliste.  Am Žižka-Platz gelegen, ist es im Gebäude des Alten Rathauses untergebracht. Besuchen kann man hier die unterirdischen Gänge, den gotischen Saal mit der Reiterstatue von Jan Žižka sowie die Ausstellung „Hussiten“.  Der Komplex von unterirdischen Gängen und Räumen gehört zu den bemerkenswertesten Táborer Sehenswürdigkeiten. Die Gänge sind im 15. Jahrhundert durch Kellervertiefung unter den einzelnen Häusern in der Altstadt entstanden. Viele von den Kellerräumen wurden miteinander verbunden und so bildete sich ein unterirdisches Labyrinth. Im Fall der Bedrohung konnten die Bewohner die Räumlichkeiten als Zufluchtsstätte nutzen.  Außerdem dienten sie zur Einkellerung von Lebensmitteln. Der gotische Saal ist auch als Palais bekannt. Er gilt als der zweitgrößte, nicht religiöse Saal in gotischem Stil Tschechiens. In der Hussiten Ausstellung erfährt man viel über die Wurzeln des Hussitentums und seine bekanntesten Persönlichkeiten.

Barockschloss Měšice

Bemerkenswert in Tábor ist auch das Barockschloss Měšice (dt. Meschitz). Es liegt im Stadtteil Měšice etwa zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Erbaut wurde das Schloss auf Befehl vom Ritter Prokop von Hejlowetz als Ritterhof im Renaissancestil. Der spätere Besitzer Johann Joseph Caretto hat es zu einem Barockschloss umgebaut. Laut einer einheimischen Legende ist im Schloss die Dienstmagd Anna eingemauert.  Sie soll goldene und silberne Gegenstände gestohlen haben. Nach der Annas Einmauerung verschwanden aber auch weiter die Juwelen im Schloss. Die Legende hat der österreichische Schriftsteller Franz Grillparzer in seinem Schicksalsdrama „Die Ahnfrau“ benutzt.

Burgturm Kotnov

Eine der ältesten Sehenswürdigkeiten der Stadt ist der weithin sichtbare Burgturm Kotnov. Bis jetzt konnten seine Herkunft und sein Alter nicht abschließend geklärt werden. Wahrscheinlich wurde die zugehörige Burg in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zu Zeiten des böhmischen Königs Přemysl Otakar II. erbaut. Nach einem Brand 1532 blieb nur noch der Turm erhalten, den man während der Hussiten-Zeit verstärkte und auf Artilleriegeschütze vorbereitete. Während ihrer ganzen Existenz diente die Burg sehr unterschiedlichen Zwecken. Lange nutzte man sie zu wirtschaftlich. Zwischenzeitlich war die Burg sogar als Staatsgefängnis benutzt worden. Später wurde sie in eine Brauerei umgewandelt. An das Burgtor schließt ein fast im Originalzustand erhaltenes Stadttor, das Bechyně-Tor, an.

Wandern rund um Tábor

In der Nähe von Tábor wurden mehrere Lehrpfade für Wanderer eingerichtet. Sie machen die Urlauber mit Flora, Fauna und den anderen Besonderheiten der Region bekannt.  Sehr beliebt sind vor allem der Naturlehrpfad Pintovka, der Naturlehrpfad Borkovice-Sumpfland und der Naturlehrpfad „Veselské“ Sandgruben.

 

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